Sinfonieorchester  der  BASF - Mitarbeiter

Schnelle Klangpracht

Kirchheimbolanden: Bezirkskantorei führt Mozarts Krönungsmesse auf

 

Auf der einen Seite immer wieder gelungenes, wunderschönes Musizieren, anderseits eine Neigung, Tempo und Lautstärke extrem zu forcieren: Diese beiden Pole charakterisierten das „große Chor- und Orchesterkonzert der Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler“ am Nationalfeiertag in der Paulskirche. Instrumentaler Partner der Kantorei war das Collegium Musicum Ludwigshafen. Das Dirigat teilten sich Gerhard Koch und Bezirkskantor Martin Reitzig.

UnbenanntZur Ouvertüre eine Sinfonie: die No. 89 in F-Dur von Joseph Haydn, entstanden unmittelbar nach den bekannteren „Pariser Sinfonien“ und wie diese für die französische Hauptstadt bestimmt. Im ersten Satz hatte das Collegium Musicum noch mit einer gewissen Eintrübung der Streicher-Intonation zu kämpfen; deutlich wurde einerseits Gerhard Kochs Bemühen, die spritzige Leichtigkeit der Musik darzutun, anderseits ließ sich eine gewisse Schwere des Vortrags nicht aufheben. Ganz anders dann das Andante. Es erfreute von Anfang an durch Wohlklang: wunderschöne Bläserpassagen, herrlich warm das Horn, und auch die Streicher agierten um einiges transparenter, schlanker und klarer intoniert. Ein Klangfest war das Menuett, in dem abermals die Bläser glänzten. Es hätte noch etwas verspielter und duftiger sein dürfen – immerhin komponierte Haydn hier reinstes Rokoko. Im herrlich witzigen Finalrondo hatten sich die Musici ganz gefunden – hier hatte alles Drive, Schwung und die rechte, überzeugende Proportion.Es war danach ein reines Vergnügen, Mozarts berühmte Motette „Exultate, jubilate“, gesungen von Antonietta Janas volumenreicher, dunkel timbrierter Sopranstimme, zu hören. Jana sang ausdrucksstark, klangrein und elegant. Besonders innig gestaltete sie das Gebet an die „Krone der Jungfrauen“ – damit gemeint ist selbstverständlich die Gottesmutter Maria, und nicht Jesus oder Gottvater, wie das Programmblatt darlegen möchte – um inneren Seelenfrieden. Das Orchester begleitete blitzblank, nur manchmal eine Nuance zu laut.

Nun das Hauptwerk, Mozarts prachtvolle, festliche „Krönungsmesse“, die diesen Beinamen erst nach Mozarts Tod erhielt: Mächtig die erste Chor-Kyrie-Bitte; spannungsvoll gestaltet Reitzig die kurze Überleitung zu den wunderschön fließenden Soli von Sopran und Tenor. Klar und wohlklingend erfreut die erste Piano-Stelle des Chors. In diesem Kyrie stimmt alles. Es zeigt sich immer wieder, dass interpretatorisch sinnvolle Detailarbeit in diese Aufführung gesteckt wurde. Das Gloria hat festlich spannungsvollen Schwung von Anfang bis Ende, Reitzig gibt dem Satz zügige, mitreißende Monumentalität. Aber dann: leider keinerlei Innehalten. Warum muss auch das Credo rennen, im Presto, so schnell es kann? Und so laut! Es ist schade um die schöne Musik: In einem solchen Tempo kann sie sich nicht klanglich entfalten – der Chor hat kaum Zeit, die Vokale klingen zu lassen. Und der Zuhörer hat hier wie im Sanctus und Benedictus, dem das flotte Tempo jede ruhig-betrachtende Stimmung nimmt, kaum eine Chance, die vielen schönen Details aufzunehmen. Bemerkenswert, dass Reitzig trotzdem durchaus immer wieder ausdrucksintensive Stellen gelingen, etwa das lastende „Cruzifixus“ im Credo, das die Solisten in alledem ungemein kultiviert und, soweit sie Gestaltungszeit haben, ausdrucksvoll singen. Es sind außerdem Eva Braunstein, Martin Steffan und Thomas Herberich. Antonietta Jana indes hat im Agnus Dei endlich Zeit, ihr Solo in klangklarer Ruhe zu entfalten, bevor Chor und Orchester ins prachtvoll gemeisterte Finale eilen. Viel verdienter Applaus.

Von Roland Happersberger

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