Sinfonieorchester  der  BASF - Mitarbeiter

Flair des Außergewöhnlichen

Faszinierte Zuhörer bei der Wachenheimer Serenade mit Paul Stauch-Erb und dem Collegium Musicum

Von Uwe Engel

 

KonzertTradition trifft Jugend – unter diesem Motto hätte das fünfte Saisonkonzert der Wachenheimer Serenade stehen können, das wieder einmal im wunderbaren Ambiente des Festsaals der Sektkellerei Schloss Wachenheim stattfand.

Der Abend hatte das Flair des Außergewöhnlichen. Einmal, weil mit Gerhard Koch als Dirigent des Collegium Musicum Ludwigshafen noch einmal der Mann auf dem Podium stand, der vor 50 Jahren die Wachenheimer Serenade begründete und ihr über viele Jahre als künstlerischer Leiter und aktiver Musiker verbunden war. Zum anderen, weil mit dem 17-jährigen Paul Stauch-Erb ein exzellenter junger Geiger zu erleben war, dem man ohne Bedenken eine große internationale Karriere voraussagen darf.Paul Stauch-Erb stammt aus Speyer. Die Begabung steckt ihm in den Genen. Sein Großvater Helmut Erb war Solotrompeter im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks und Professor an der Würzburger Musikhochschule, dazu eine feste Größe im Speyerer Musikleben. Mit drei Jahren hat Paul Stauch-Erb mit dem Geigespielen angefangen, schon bald gewann er seine ersten Preise bei „Jugend musiziert“. Noch im Schulalter ging er als Jungstudent an die Würzburger Musikhochschule, wo er von dem renommierten Violinprofessor Gottfried von der Goltz unterrichtet wurde. Jüngst ist er nun als regulärer Student an die Musikhochschule München in die Klasse von Lena Neudauer gewechselt.

Für sein Debüt in Wachenheim hatte er sich mit dem Violinkonzert von Ludwig van Beethoven gleich das Gipfelwerk der Gattung und eines der anspruchsvollsten überhaupt ausgewählt. Beethovens opus 61 glänzt nicht durch äußere Virtuosität und zirzensisch-rasante Zauberkunststückchen. Die immensen Schwierigkeiten sind eher unauffällig in die Musik eingebettet. Da gibt es Doppelgriffe, heikle Registerwechsel, und die Konzentration ist allein schon durch die immense Länge des Konzerts von einer Dreiviertelstunde aufs Äußerste gefordert, wobei es auch viele ausgedehnte Solopassagen gibt, die keine Zeit zum Sammeln oder Ausruhen lassen.

Doch Paul Stauch-Erb hat die nötige Kondition, zeigte große technische Souveränität bis zum Schluss und verstand, es die Spannung vom ersten bis zum letzten Takt zu halten. Der junge Geiger und mit ihm Gerhard Koch und das Collegium musicum setzten ganz auf die lyrischen Qualitäten des Konzerts. Von schroffen Akzenten und raschen Tempi, wie sie im Rahmen der neueren Beethoven-Interpretationen üblich geworden sind, war nichts zu hören. Stauch-Erb kostete jeden Ton in seiner Schönheit aus, bettete seine Soli ganz in den sanften, kantablen Fluss der Musik ein. Phrasierung und Artikulation kamen solcherart deutlich und waren von einer Schlüssigkeit, wie sie bei einem Musiker in diesem Alter nur selten zu finden ist. Dass diese quasi verinnerlichte Art des Spiels durchaus so gewollt war, zeigte sich darin, wie Stauch-Erb die leisen Passagen spielte, die bei ihm mit großer Zartheit und einem besonders intensiven Pianissimo kamen und dadurch hervorgehoben wirkten. Dazu durfte man sich an überlegen durchgestalteten Solokadenzen erfreuen. Zwar wurde bei diesen zurückhaltenden Tempi das schon lange Konzert noch länger, das tat der die Zuhörer absolut begeisternden Interpretation aber keinen Abbruch tat.

Ebenfalls nicht hoch genug zu loben, nicht nur bei der Begleitung des Beethoven-Konzerts, ist die Leistung des Collegium musicum unter Gerhard Kochs Leitung. Schließlich handelt es sich bei dem Ensemble um ein reines Laienorchester. Von ganz wenigen Trübungen und Wacklern abgesehen, war davon aber nichts zu spüren. Als großes Orchesterwerk hatte man sich keine Amateurorchester-typische Rarität herausgesucht, sondern ganz mutig ein allbekanntes wie anspruchsvolles Spitzenwerk, Wolfgang Amadeus Mozarts letzte Sinfonie C-Dur KV 551, die sogenannte Jupiter-Sinfonie. Koch und sein Orchester legten eine muntere, kraftvolle Wiedergabe vor, bei der alle Schwierigkeiten sicher gemeistert wurden, auch in den kniffligen Fugenpassagen des Finales.

Begonnen hatte der Abend mit der Ouvertüre zur Schauspielmusik zu „Olympie“ von Joseph Martin Kraus, dem „Odenwälder Mozart“, der im selben Jahr geboren wurde wie sein berühmter Zeitgenosse und nur ein Jahr später starb: wertvolle, dramatisch-ausdrucksvolle Musik.

Viel und herzlichen Beifall gab es am Schluss, der spürbar auch besonders Gerhard Koch galt.

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