Sinfonieorchester  der  BASF - Mitarbeiter

Virtuoser Glanz, schwerelose Schönheit

Beethovenkonzert mit der Bezirkskantorei und dem famosen jungen Geiger Paul Stauch-Erb mit großem Beifall gefeiert

Von Roland Happersberger
 

KIRCHHEIMBOLANDEN. Hochspannung, große Freude und Verwunderung, dass ein erst 17-jähriger Geiger so technisch elegant und reif im künstlerischen Ausdruck das Beethovenkonzert spielen kann, das jedem Klassikfreund ja aus unzähligen Aufnahmen mit den ersten Kräften der Musikwelt im Kopf abrufbar ist, und einschränkungslose Zustimmung zu Beethovens C-Dur-Messe: das erlebten die Zuhörer des Konzerts mit dem Geiger Paul Stauch-Erb, dem Collegium Musicum Ludwigshafen, einem tadellosen Solistenquartett und der Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler am Nationalfeiertag in der Paulskirche.

Bild StauchUngemein spannend der Kopfsatz, das Allegro ma non troppo. Das Tempo stimmt. Rasch, aber auch verhalten. Der Geiger spielt mit außerordentlicher Sammlung. Er hört gleichsam im Spielen tief in die Musik hinein, artikuliert hier ganz zärtlich, dort energisch, immer in einem herrlich schlackenlos blühenden, hier zartem, dort strahlend klarem Ton. Er weiß immer genau, was er will, was die Funktion und Bedeutung einer Phrase im Gesamtverlauf ist.Die Kadenz im ersten Satz füllt er mit Hochspannung. All das, was man technisch können muss, kann Paul Stauch-Erb. Er ist immer frei für den emotionalen Ausdruck der Musik. Mit welch schmerzlich-hoffnungsvoller Leidenschaft er die Musik singen lässt, welche eindringliche Fülle und Breite des Klangs er zu erzeugen weiß, in welch subtiler Feinheit und Hingabefähigkeit er dem Gefühlsgehalt der Musik nachspürt, all das ist in kaum überbietbarem Maße richtig und fesselt den Hörer, weil es ihm sofort verständlich wird, mehr noch: ihn tief anrührt. Virtuoser Glanz, schwerelose Schönheit verbindet sich damit wie selbstverständlich, Leichtigkeit, Glanz und tiefer Ernst sind eins. Hier ist nichts mehr zu lernen, Stauch-Erb wird Glück haben, wenn er die apollinische Unbefangenheit, mit der er namentlich die beiden ersten Sätze in der Paulskirche vorträgt, unangefochten bewahren kann.

Wundervoll, wie zart und verhalten der junge Geiger das Thema bringt, als das Orchester wieder einsetzt. Und wie zart es einsetzt, wie wunderbar die Bläser die Spannung halten, wie präzis und fesselnd das ganze Orchester das Schlusscrescendo ausführt – das ist herrlich.

Und dann: Wie ruhig beginnen die Streicher den zweiten Satz, das Larghetto, wie kristallin leuchtet die Solovioline in den Höhen. Die Hochspannung hält, der Hörer möchte keinen Ton verpassen. Das Collegium Musicum Ludwigshafen, behutsam von Gerhard Koch geleitet, steht nicht nach. Blitzsauber intoniert, scheint es über sich hinauszuwachsen, agiert sensibel und kraftvoll in perfekter Balance mit dem Solisten. Der Klang ist kompakt und eher dunkel, man strebt nicht nach historisch informierter schlanker Durchhörbarkeit, aber man hat jedes undifferenzierte, auf Binnengliederung weithin verzichtende Einheitslegato hinter sich gelassen. Die Interpreten sind völlig beieinander, das ungemein sprechende, auch in der Detailgestaltung rhetorisch reiche Ergebnis beglückt.

Da gibt es am Übergang zum Finalrondo einen kleinen Wackler. Und die Hochspannung löst sich. Das darf, das soll sein. In heiterer Unbefangenheit strömen Beethovens herrliche Melodien dahin – bis zum überraschten, dankbaren, ungemein herzlichen Beifall des erfreulich großen Publikums.

All die geschilderten Qualitäten behält das Orchester bei, als Bezirkskantor Martin Reitzig den Dirigentenstab zur Beethovenmesse übernimmt. Das wie so oft vorzüglich gestaltete Programmblatt gibt erhellende Hinweise zum Verhältnis dieser Komposition zu den unmittelbar vorangehenden großen lateinischen Hochämtern Joseph Haydns. Mehr noch als Haydn hat Beethoven eine Chormesse gestaltet. Die vier Solisten schalten sich immer wieder in den Chorsatz ein, nur selten singen sie längere Zeit allein. Sigrun Haaser, Eva Braunstein, Martin Steffan und Thomas Herberich sangen sämtlich sicher, klanglich schön und stilistisch passend. Breit blühende Klangfülle entfaltete sich im Kyrie. Das Gloria machte vollends klar, dass der kompakte Chor- und Orchesterklang dieser Aufführung nicht auf kammermusikalische Transparenz und Konturenschärfe, sondern auf Klangverschmelzung, Fülle und energiereiche Wucht abgestellt war. Schön war die Einbettung des Chorklangs ins Orchester, das ihn mit herrlichen Farben umgab, aber nie übertönte.

Die Bezirkskantorei erwies sich als gut vorbereitet und sicher; es gab die eine oder andere leichte, aber nicht wirklich störende Unsicherheit oder Zaghaftigkeit bei den ganz schweren Einsätzen, in denen das Orchester nicht vorausging. Auch Martin Reitzig wusste den Vortrag mit Energie aufzuladen, so dass die Musik eine beträchtliche Sogwirkung entwickelte – bis hin zur großen Friedensbitte am Ende des Agnus Dei.

Auch hier war der freudige Schlussbeifall Zeichen großer Zufriedenheit und Anerkennung.

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