Sinfonieorchester  der  BASF - Mitarbeiter

Der Reiz des Außergewöhnlichen

Das Wormser Kammerensemble und „LUfoniker“ präsentierte in der Dreifaltigkeitskirche Franz von Suppès „Requiem in d-Moll“. Dafür gab es viel Applaus.

Von Viktoria Selbert

Aufführung Worms Foto: BilderKartell/Axel Schmitz
WORMS - Viel Werbung war für das aktuelle Chor- und Orchesterkonzert des Wormser Kammerensembles zu sehen – Franz von Suppès „Requiem in d-Moll“ gemeinsam mit den „LUfonikern“, dem Sinfonieorchester der BASF. Für eine Totenmesse des Komponisten, der vorwiegend als Begründer der Wiener Operette mit Erfolgen wie „Bocaccio“ oder „Leichte Kavallerie“ bekannt ist, entsprechendes Interesse zu wecken, war keine leichte Aufgabe.

Doch – welche Überraschung – zu erleben war ein monumentales Werk, dem von Verdi in seiner Intensität nicht unähnlich (Verdi schrieb sein Requiem erst 20 Jahre später), und gleichzeitig eindeutig einem berühmten Vorbild, dem Mozart-Requiem, verpflichtet.

Der künstlerische Leiter des Chores, Tristan Meister, hat Wissen, Können und Geschmack bewiesen, indem er aus Anlass von Suppès 200. Geburtstag die „Missa pro defunctis“ für Chor, Soli und Orchester zur Aufführung brachte. Spannend ist deren Geschichte, denn anfangs hatte das Requiem großen Erfolg. Als aber ab den 1860er Jahren Suppès Musiktheater-Ruhm seine anderen Schaffensbereiche überschattete, gerieten die geistlichen Werke in Vergessenheit. Die nie gedruckte Partitur war sogar verschollen und wurde erst in den 1990er Jahren wiederentdeckt. Nicht nur den Zuhörern, sondern auch den Ausführenden selbst ermöglichte der Dirigent großen Kunstgenuss.

Franz von Suppè war ein Meister der Orchestrierung, ein Könner hinsichtlich gut klingender Vokallinien und ein Beherrscher polyphoner Kompositionstechniken: Großartig sind die Chorfugen, wirkungsvoll die Chorblöcke und farbenreich seine melodische Erfindung. Eine hervorragende Leistung zeigte das Kammerensemble, stabil und sensibel in der Intonation von Anfang bis Ende, vor allem in den A-cappella- und Unisono-Partien, klangschön in allen Lagen und hoch differenziert in der anspruchsvollen Rhythmik wie Dynamik. Ebenso überzeugend agierte das Orchester, einstudiert von Robert Weis-Banaszczyk, klar strukturiert, hoch aufmerksam und optimal austariert in der Belebung unterschiedlichster Klangfarben. Meister führte die beiden Klangkörper zu einem Organismus zusammen, der sowohl das monumentale wie äußerst gefühlvolle Wesen der Tondichtung eindringlich transportierte.

Seinem Gefühl für und Wissen um Wirkung von Stimmen trug auch Tristan Meisters Auswahl der Solisten Rechnung, alle vier junge Profis mit bereits beeindruckenden Lebensläufen: Rebecca Blanz (Sopran), Franziska Buchner (Alt), Maximilian Vogt (Tenor) und Markus Piontek (Bass), die Letzteren auch in einem Männerstimmen-Quartett mit zwei Solisten aus dem Chor, Fabio Freund (Tenor) und Manuel Heuser (Bass). Perfekt harmonierten die kraftvoll und natürlich klingenden Stimmen, besonders beeindruckend Blanz leuchtend-warmer Sopran und Pionteks brillanter Bass.

Sehr berührend und wunderschön sang das Solisten-Quartett die A-cappella-Sätze, ebenso die vier einzelnen Männerstimmen. Den Solopartien standen die großartigen Melodien, Volumen und Kraft von Chor und Orchester gegenüber, die so vollmundig und mediterran sind, dass es der traditionellen Auffassung von geistlicher Musik eher widerspricht. Aber gerade dies machte den besonderen Reiz dieser außergewöhnlichen Requiem-Aufführung aus, die mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde.

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